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Kartenproduktion als Weltbildgenerierung. Der Verlag Justus Perthes Gotha in der „Ära Petermann“ (1855-1884)

DISZIPLINGESCHICHTE


August Petermann (1822-1878)



Quelle: Petermanns Mitteilungen 10, 1864, Tafel 16

Ziel des Projekts ist die historische Analyse des sozialen, medialen und technischen Prozesses der Kartographie in der „Ära Petermann“ (1855–1884).  August Petermann und der Verlag Justus Perthes sind aus mehreren Gründen ein hervorragender Forschungsgegenstand:

  • Gotha war ein internationaler Netzwerkknoten der wissenschaftlichen und populären Geographie des 19. Jahrhunderts.
  • Das Organisationstalent August Petermann und die Zeitschrift „Petermanns Mitteilungen“ perfektionierten ein System der Informationsverwertung und Visualisierung.
  • Die hier entwickelte spezifische Kartensemiotik war wesentlich für den wissenschaftlichen und verlegerischen Erfolg des Perthes-Verlages, mit weitreichenden Konsequenzen für die Ideen- und Wissenschaftsgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen weniger die Karten selbst, sondern die komplexen Aushandlungsprozesse der Kartenproduktion, von den Routenaufnahmen der Forscher bis zur publizierten Karte, sowie die daran beteiligten Akteure. Aufbauend auf jüngeren Ergebnissen der Wissenschaftsforschung sollen der Wissenstransfer und die damit verbundenen kartographischen Visualisierungen Afrikas der ersten 30 Jahrgänge von "Petermanns Mitteilungen" exemplarisch veranschaulicht werden.

Ergebnisse:
Nach Auswertung von umfangreichen gedruckten und ungedruckten Quellen kann die Gothaer Kartenproduktion als ein komplexes zirkuläres Modell des geographischen Wissenstransfers beschrieben werden. Kartographische Visualisierung und Feldforschung stehen hierbei in einem unmittelbaren Zusammenhang, jedoch strategisch gelenkt von Petermann und seiner Organisation. Die Wissensgenese beinhaltet insbesondere:

  • weltweite Beobachtung der Forschung und Sammlung von Forschungsergebnissen
  • Kritik, Interpretation und Interpolation
  • Kartenkonstruktion und Textredaktion
  • Publikation: Kommunikation von Wissen und Nicht-Wissen
  • gezielte Anregung zu neuen Forschungen


Am Beispiel der Afrikaforschung kann gezeigt werden, wie die Geographische Anstalt in Gotha strategisch die Wissensproduktion und -kommunikation lenkte und zur internationalen Agentur ausgebaut wurde, die als institutionelle Schaltstelle wesentlich zur europäischen Konstruktion Afrikas im 19. Jahrhundert beitrug, gestützt auf die meisterhaften Karten und exklusiven Veröffentlichungen in "Petermanns Mitteilungen".

Publikationen:
Schelhaas, Bruno / Wardenga, Ute (2007): "Die Hauptresultate der Reisen vor die Augen zu bringen" oder: Wie man Welt mittels Karten sichtbar macht. In: Berndt, Christian / Pütz, Robert (Hrsg.): Kulturelle Geographien. Zur Beschäftigung mit Raum und Ort nach dem Cultural Turn. Bielefeld, S. 143-166. (Kultur und Soziale Praxis).

Bearbeitung:
Heinz Peter Brogiato, Konrad Großer, Bruno Schelhaas, Ute Wardenga

Kooperation:
Haim Goren (Tel Hai Academic College, Israel), Markus Heinz (Staatsbibliothek zu Berlin), Guntram Herb (Middlebury College Vermont, USA), Adam Jones (Universität Leipzig), Wolf Günther Koch (TU Dresden), Jana Moser (SAW), Achim von Oppen (Universität Bayreuth), Petra Weigel (Forschungsbibliothek Gotha), Ute Schneider (Universität Duisburg-Essen), Iris Schröder (HU Berlin), Hans-Dietrich Schultz (HU Berlin)

Laufzeit:
Juli 2007 bis Juni 2009

Projektförderung:
 Fritz Thyssen Stiftung

Weitere Informationen:

 Bruno Schelhaas
Tel.: +49 (0)341 600 55-151


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