Groben Schätzungen zufolge leben derzeit etwa 1,5 Mio. Ostdeutsche, die nach der Wende abgewandert sind, in Westdeutschland. Nach den Erhebungen der IfL-Wissenschaftler ziehen 74 Prozent dieser Abwanderer eine Rückkehr in Betracht, wobei die große Mehrzahl der potenziellen Rückwanderer (83 Prozent) in ihre Heimatregion zurück will und fast jeder Zweite von ihnen bereits erste Schritte dafür unternommen hat. Bisherige Studien aus den Jahren 2002 und 2006 sahen die Rückkehrbereitschaft der ostdeutschen Abwanderer bei höchstens gut 60 Prozent.
„Interessant ist die Diskrepanz zwischen den von den Abwanderern befürchteten Schwierigkeiten der Rückkehr im Vergleich mit den Erfahrungen der Rückkehrer“, sagt Projektleiter Dr. Thilo Lang vom Leibniz-Institut für Länderkunde. Etwa zwei Drittel der Heimkehrer beschrieben ihre Rückkehr als „einfach“ oder „sehr einfach“. Dagegen glaubten fast 75 Prozent der abgewanderten Ostdeutschen, dass eine Rückkehr „schwierig“ oder „sehr schwierig“ wäre. „Von 93 befragten Rückkehrwilligen begründen 87 ihre Sorgen mit der Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt, dem gegenüber stehen die überwiegend positiven Erfahrungen der Rückkehrer“, so Lang.
Als Hauptgründe für ihre Abwanderung aus Ostdeutschland geben die Befragten die Karrieremöglichkeiten und das Einkommen an. Die Motive bei der Rückkehr sind nach den ersten Befunden der IfL-Experten anders gelagert: Im Vordergrund stehen Familie und Freunde, berufliche und wirtschaftliche Gründe spielen eine geringere Rolle. Die Mehrzahl derer, die an der Online-Erhebung teilgenommen haben, sind zwischen 25 und 45 Jahre alt und überdurchschnittlich gut gebildet. Die Befragten gaben zudem an, dass die durch Abwanderung und Rückkehr gewonnenen Erfahrungen besonders von den Vorgesetzten sehr positiv aufgenommen wurden. Lang sieht deshalb auch keinen Grund, von einer „Rückkehr der Gescheiterten“ zu sprechen.
Eine ausführliche Darstellung der bisherigen Ergebnisse ist auf der Website des IfL hier » verfügbar. Die Befragung steht noch bis zum 31. Juli 2012 unter return.ifl-leipzig.de » online.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Thilo Lang, Leibniz-Institut für Länderkunde, Tel. 0341 600 55-159.
Presseinfo als PDF »
Pressemitteilung vom 25. Juli 2012
Ostdeutsche zieht es zurück in die Heimat
Leipzig – Fast drei Viertel aller aus Ostdeutschland Abgewanderten erwägen trotz guter Erfahrungen im Westen eine Rückkehr in ihre alte Heimat. Knapp zwei Drittel derer, die schon zurückgekehrt sind, beurteilen diesen Schritt im Nachhinein als „einfach“ oder „sehr einfach“. Das ergaben erste Auswertungen einer Online-Erhebung, die noch bis zum 31. Juli 2012 freigeschaltet ist. Die Befragung ist Teil eines von der EU finanzierten internationalen Forschungsprojekts unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) in Leipzig.
Pressekontakt
Dr. Peter Wittmann
Öffentlichkeitsarbeit
Presse(at)ifl-leipzig.de
Tel.: +49 341 600 55-174
Fax: +49 341 600 55-198

