Konstituierung von Kulturlandschaft (KULAKon)

Subjektive Konstruktion von Kulturlandschaft in der Alltagspraxis

Wie wird Kulturlandschaft wahrgenommen? Welche Bedeutungen schreiben wir Kulturlandschaft zu? Wie gehen wir mit Kulturlandschaft um? Nicht nur in Politik und Planung, auch im alltagsweltlichen Kontext der Bewohner ist ein wachsendes Interesse an Kulturlandschaft zu beobachten. Ein Grund dafür sind rasche ökonomische und ökologische Veränderungen, die im Gegenzug das Bedürfnis nach Identifikation mit überschaubaren und wieder erkennbaren Räumen im Sinne von vertrauter Umgebung wecken.

Ziel des Forschungsprojekts ist die Analyse von Prozessen der Konstituierung von Kulturlandschaft in der Alltagspraxis. Ansatzpunkt sind Aussagen von Bewohnern und Nutzern der Räume, die mit ihren Vorstellungen und Bedeutungszuschreibungen zur Aushandlung von Kulturlandschaft beitragen. Im Kontext konstruktivistischer und handlungstheoretischer Ansätze in der geographischen Forschung werden Untersuchungen öffentlicher Diskurse über Raum, Raumentwicklung und Kulturlandschaft meist an Eliten und steuerungstheoretischen Ansätzen ausgerichtet. Die Alltagspraxis der Bevölkerung findet dabei zumeist wenig oder keine Beachtung. Hier setzt das Projekt an: Die Öffnung für die alltagsweltliche Perspektive der Bevölkerung ermöglicht es, die alltägliche Praxis des "Raum-Machens" zu untersuchen und Ansatzpunkte für den gesellschaftlichen Umgang mit Kulturlandschaft und für ihre Inwertsetzung zu erhalten.

Als Fallbeispiele werden Räume ausgewählt, die durch Funktions-, Gestaltungs- und Nutzungsänderungen in unterschiedlichen Stadien gekennzeichnet sind. Denn es ist davon auszugehen, dass Wahrnehmungen und Bedeutungszuschreibungen dann besonders virulent werden, wenn Veränderungen den Alltag des Individuums berühren, beispielsweise im Zusammenhang mit Verlusterfahrungen von vertrauter Umgebung.

Die Untersuchungen konzentrieren sich auf drei Typen von Kulturlandschaft, um ein möglichst breites Spektrum von Entwicklungsstadien abzudecken, ohne jedoch eine zeitliche Abfolge beschreiben zu wollen:

  • Eine "gewachsene Kulturlandschaft" zeichnet sich durch eine gewisse Persistenz aus. Sie ist im historischen Gedächtnis der Gesellschaft verwurzelt und (begrifflich) in der alltäglichen Kommunikation verankert. Als Beispiel steht die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, die seit 1996 als UNESCO-Biosphärenreservat zusätzliche Bedeutung erlangt hat.
  • Eine "gestörte Kulturlandschaft" befindet sich im abrupten Wandel. Sie zeichnet sich durch eine hohe Veränderungsdynamik aus, bei der dramatische Eingriffe erfolgen oder eine ältere Kulturlandschaft mit völlig neuen Nutzungen verknüpft wird,. Der gegenwärtig viel diskutierte Fall des Baus der Waldschlösschenbrücke durch die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal wird hier beispielhaft untersucht.

  • Eine "designte Kulturlandschaft" wurde durch Planungsprozesse in jüngerer Zeit gestaltet. Ihr Veränderungsprozess ist – planerisch betrachtet – beendet, und eine "neue" Kulturlandschaft ist entstanden. Am Beispiel einer Bergbaufolgelandschaft, der des Wismut-Uranerzbergbaus in Ronneburg/Thüringen (Bundesgartenschau 2007), wird eine Neudefinition von Kulturlandschaft nachvollzogen.

Das Vorhaben ist Teil des Verbundprojektes KULAKon zur Untersuchung der Konstituierung von Kulturlandschaft, das aus einer Initiative der 4R-Institute (www.4r-netzwerk.de) hervorgegangen ist. Neben dem Leibniz-Institut für Länderkunde sind das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden sowie das Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner beteiligt. Vierter Projektpartner ist das Fachgebiet Landschaftsplanung der Technischen Universität Berlin. Die Koordination des Verbundprojektes liegt in Händen des IfL.

Ergebnisse/Publikationen

Matthiesen, Ulf / Danielzyk, Rainer / Heiland, Stefan / Tzschaschel, Sabine (Hrsg.) (2006): Kulturlandschaften als Herausforderung für die Raumplanung. Verständnisse - Erfahrungen - Perspektiven. Hannover (= Forschungs- und Sitzungsberichte der Akademie für Raumforschung und Landesplanung 228).

Bearbeitung
Sabine Tzschaschel (Projektleitung), Monika Micheel
Kooperation(en)

Prof. Dr. Stefan Heiland, Technische Universität Berlin; Prof. Dr. Heiderose Kilper, Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Erkner; Dr. Markus Leibenath, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Dresden; Dr. Gerhard Overbeck, Akademie für Raumforschung und Landesplanung

Laufzeit
06/2008–05/2011
Projektförderung
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Weitere Informationen

Monika Micheel
M_Micheel(at)ifl-leipzig.de
Tel.: +49 341 600 55-148

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