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Selective Migration and Unbalanced Sex Ratio in Rural Regions - SEMIGRA
Das Forschungsprojekt untersucht Gründe und Folgen der einseitigen Abwanderung von Frauen aus den ländlichen Räumen Europas mit dem Ziel, Konzepte der Raum- und Regionalentwicklung unter alters- und geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten verbessern zu helfen.
Die IfL-Wissenschaftler Karin Wiest (Siebte v. l.) und Tim Leibert (dahinter) mit SEMIGRA-Projektpartnern und ehrenamtlichen Vertretern der Gemeinde Balsa in Ungarn (zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild).
Die steigende Frauenerwerbstätigkeit beeinflusst unter anderem die Wanderungsmuster junger Menschen. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Wanderungsverhalten führen zu regionalen Frauen- oder Männer-„Überschüssen“. Diese demographischen Unausgewogenheiten lassen sich vor allem zwischen ländlichen und städtischen Gebieten sowie zwischen prosperierenden und schrumpfenden Wirtschaftsräumen beobachten. Urbane Regionen weisen tendenziell einen Überschuss an jungen Frauen auf, während in dünn besiedelten, ländlichen Räumen sowie in demographischen und ökonomischen Schrumpfungsregionen ein Überschuss an jungen Männern erkennbar ist.
Die überdurchschnittliche Abwanderung junger Frauen droht die bestehenden Probleme in den strukturschwachen Regionen Europas weiter zu verschärfen. Durch ungleiche Geschlechterverhältnisse können wirtschaftliche und demographische Schrumpfungsprozesse stark beschleunigt werden: Es kommt zu Engpässen auf dem Arbeitsmarkt, zu einer Ausdünnung sozialer Netze und zu sozialen Erosionserscheinungen.
Das Forschungsprojekt soll Aufschluss über die Gründe und Folgen der einseitigen Abwanderung von Frauen aus den ländlichen Räumen Europas geben. Ziel ist es, mehr über die Lebensziele, Erwartungen und Bedürfnisse von jungen Frauen und Männern in ländlichen Regionen zu erfahren. Die Ergebnisse sollen dazu dienen, Konzepte der Raum- und Regionalentwicklung unter alters- und geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten zu verbessern.
Im Rahmen des Forschungsprojekts werden drei zentrale Fragestellungen untersucht:
- Welche Bedeutung haben junge Frauen für die Zukunft ländlicher Räume?
- Welche Ursachen und Konsequenzen unausgewogener in den Geschlechterproportionen bei den jüngeren Bevölkerungsgruppen lassen sich in unterschiedlich strukturierten ländlichen Regionen Europas identifizieren?
- Welche Potenziale lassen sich im Hinblick auf eine demographische, soziale und ökonomische Stabilisierung der betroffenen Regionen erkennen und welche Strategien sind Erfolg versprechend, um junge Menschen anzuziehen?
Die Untersuchungsregionen sind: Észak-Alföld und Észak-Magyarország (Ungarn), Kainuu (Finnland), Västernorrland (Schweden) und Sachsen-Anhalt.
Als wichtigste Ursachen für die Abwanderung junger Frauen aus ländlichen Regionen werden ein höheres Bildungsniveau, eine stärkere Mobilitätsbereitschaft und Ambitioniertheit sowie eine Präferenz für urbane Lebensweisen vermutet. Der Fortbestand traditioneller Geschlechterrollenbilder und mangelnde kulturelle Angebote im ländlichen Raum können als mögliche Push-Faktoren angesehen werden. Weitere Erklärungen liegen in genderspezifischen Wanderungsmotiven: Männer wandern überwiegend aus beruflichen Gründen und damit in etwas höherem Alter, Frauen dagegen im stärkeren Maß aus familiären Gründen und zum Zweck der Ausbildung.
Leibert, Tim / Wiest, Karin (2010): Ist die ländliche Peripherie männlich? In: Nationalatlas aktuell 11 (11/2010) [24.11.2010]. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL).
Kungliga Tekniska Högskolan, Stockholm (Schweden); Kajaanin Ammattikorkeakoulu – AIKOPA, Kajaani (Finnland); Magyar Tudományos Akadémia Regionális Kutatások Központja, Pécs (Ungarn); Miskolci Egyetem Világ- és Regionális Gazdaságtan Intézet, Miskolc (Ungarn)
Dr. Karin Wiest
K_Wiest(at)ifl-leipzig.de
Tel.: 089 775205
Tim Leibert
T_Leibert(at)ifl-leipzig.de
Tel.: +49 341 600 55-188



