Deutsche und französische Geographie: histoire croisée

Die Geschichte der Geographie ist bislang weitgehend aus einer nationalen Perspektive untersucht worden. Gegenstand der Analysen waren vornehmlich Ideen und Konzepte der je eigenen Geographie. Obwohl seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein reger internationaler Austausch bestand, ist die damit einhergehende Transformation von geographischen Ansätzen noch nicht genügend systematisch untersucht worden. Zwar wurde der Blick auf die internationalen Verhältnisse geöffnet und transnationale Vergleiche stimuliert, insbesondere durch die Arbeit der IGU-Kommission "History of Geographical Thought". Dennoch gelang es bislang nur in Ausnahmefällen, die Grenzen einer national befangenen Geographiehistoriographie zu überwinden.

In mehreren Workshops wurden darum die Grundlagen für eine kontinuierliche Zusammenarbeit von deutschen und französischen Disziplinhistorikern entwickelt. Ziel war zum einen eine personelle und institutionelle Annäherung, zum anderen die Reformulierung der bislang weitgehend auf nationaler Ebene betriebenen Geographiegeschichtsforschung zugunsten der Ausarbeitung einer histoire croisée. Sie erscheint gerade im Falle der französischen und deutschen Geographie besonders aufschlussreich, weil trotz eines durchgängigen Diskurses von wechselseitiger Abgrenzung zahlreiche, allerdings oft verschleierte Anleihen bei und Bezugnahmen auf die je andere Nationalgeographie gemacht wurden.

Ergebnisse/Publikationen

Auf den sechs Workshops in Leipzig, Paris und Berlin konnte ein bilaterales Forschungsnetzwerk etabliert werden. In intensiven Diskussionen wurde nach einem Kristallisationskern für die Erforschung von transnational übergreifenden Entwicklungssträngen gesucht.

Mit der Frage nach Praktiken der Feldforschung in der Geographie und deren Wirkungen auf weite Bereiche wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Handelns von Geographen wurde ein Forschungsgegenstand gefunden, der nach Einschätzung der Gruppe einen hohen Innovationsgrad für die Restrukturierung der internationalen Geographiegeschichtsschreibung im Sinne einer histoire croisée aufweist.

Ginsburger, Nicolas (2014): "Der Krieg, die schrecklichste Erosion." Feldpostbriefe als Quellen für die Geschichte der Geographie. In: Brogiato, Heinz Peter / Schelhaas, Bruno (Hrsg.): "Die Feder versagt ..." Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg an den Leipziger Geographie-Professor Joseph Partsch. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag

Ginsburger, Nicolas (2010): «La guerre, la plus terrible des érosions». Cultures de guerre et géographes universitaires Allemagne-France-Etats-Unis (1914-1921). Dissertation. Nanterre: Université Paris Ouest Nanterre - La Défense Download (PDF 29,6 MB)

Hallair, Gaëlle Frédérique (2010): Histoire croisée entre les géographes français et allemands de la première moitié du XXe siècle. La géographie du paysage (Landschaftskunde) en question. Dissertation. Paris, Leipzig: Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne, Universität Leipzig online

Projekt-Info

Bearbeitung

Heinz Peter Brogiato, Kathrin Fritsch, Dirk Hänsgen, Norman Henniges, Bruno Schelhaas, Isabel Voigt, Ute Wardenga

Kooperation(en)

Université Paris I - Sorbonne; CNRS, Paris; IUFM Lyon; Université Strasbourg; Université Paris X - Nanterre; Universität Konstanz, Universität Mainz, HU Berlin

Laufzeit

01/2008–05/2012

Projektförderung

Deutscher Akademischer Austauschdienst EGIDE, Deutsch-Französische Hochschule

Weitere Informationen

Ute Wardenga
U_Wardenga(at)ifl-leipzig.de

Tel.: +49 341 600 55-110

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