Relationale Perspektiven auf Innovationsaktivitäten von Unternehmen in peripheren Regionen

Teilprojekt im Marie Curie Forscher-Erstausbildungsnetz RegPol²

(Foto: M. Graffenberger)

Das Projekt befasst sich mit Unternehmen außerhalb größerer Ballungsräume und fragt nach den Entstehungskontexten und Entwicklungsdynamiken ihrer Innovationsaktivitäten. Im Mittelpunkt steht die Analyse der für betriebliche Innovationsprozesse genutzten Netzwerke und insbesondere deren räumliche und relationale Ausgestaltung. Ausgangspunkt der Analysen bildet ein wissens- und interaktionsbasiertes Innovationsverständnis. Der regionale Fokus liegt auf Unternehmen im südlichen Estland und im Erzgebirgskreis in Sachsen.

Hintergrund:

Prozesse der Polarisierung und Peripherisierung sowie damit einhergehende regionale Disparitäten sind prägende Phänomene der Raumentwicklung Europas. Insbesondere lassen sich in vielen mittel- und osteuropäischen Ländern persistente und teils wachsende Ungleichheiten zwischen wirtschaftlichen Kernregionen und peripheren Gebieten beobachten. Ökonomische Entwicklung findet vorrangig in einigen wenigen Regionen statt, während die anderen Gebiete gegenüber diesen Kernregionen (weiter) zurückfallen.

In theoretischen Debatten wie auch in empirischen Studien werden fehlende Innovationsaktivitäten als ein Treiber ökonomischer Peripherisierungsprozesse identifiziert (z.B. Kühn 2015). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass unternehmerische Innovationsaktivitäten ein bedeutender Faktor sein können, um regionale Entwicklungspotenziale zu stimulieren und damit fortschreitenden Peripherisierungsprozessen entgegenzuwirken. Diese Potenziale stehen jedoch im Kontrast zur stereotypen Darstellung peripherer Regionen im Innovationsdiskurs, in dem sie meist per se als „innovationsschwach“ charakterisiert werden.

Das Projekt will deshalb auch zu einem differenzierten Verständnis im stark Metropolen-orientierten Innovationsdiskurs in der Wirtschaftsgeographie beitragen.      

Ergebnisse/Publikationen

Auf der Grundlage von Interviews mit Unternehmensvertretern sowie Akteuren im Bereich Regionalentwicklung wurden ausgewählte Innovationsprojekte nach raum-zeitlichen und netzwerkanalytischen Aspekten rekonstruiert („Innovationsbiographien“ – z.B. Butzin und Widmaier 2015). Die Rekonstruktionen zeigen unter anderem die Vielschichtigkeit der Innovationsprojekte und ihrer Netzwerke: Manche Projekte werden mit wenigen Partnern realisiert, andere Projekte beziehen eine Vielzahl von Partnern aus unterschiedlichen Kontexten ein. Eine Gemeinsamkeit ist jedoch, dass die Innovationsaktivitäten in räumlicher Hinsicht multi-lokal organisiert sind. Für ihre Innovationsaktivitäten nutzen Unternehmen in peripheren Regionen Kooperationen und Wissen auf unterschiedlichen Maßstabsebenen, von lokal bis international.    

Eine wiederkehrende Beobachtung ist zudem, dass Unternehmen bestimme Teilaufgaben in extern initiierten Innovationsprojekten übernehmen. Vor diesem Hintergrund spielen Sichtbarkeit nach außen wie auch nach innen sowie aktive Netzwerkarbeit eine wichtige Rolle für Unternehmen in peripheren Regionen: Nur so können sie als Partner identifiziert werden, an externen Entwicklungen teilhaben und sich dadurch bietende Gelegenheiten für Innovation nutzen.

Ergebnisse aus dem Projekt wurden regelmäßig in internen RegPol²-Workshops sowie unter anderem auf diesen Meetings und Konferenzen vorgestellt und diskutiert:

  • Jahreskonferenz der Regional Studies Association 2015 in Piacenza, Italien
  • EUGEO-Konferenz 2015 in Budapest, Ungarn
  • Jena Lecture Series in Economic Geography 2016 in Jena
  • European Rural Geographies Conference 2017 in Braunschweig
  • Nordic Geographers Meeting 2017 in Stockholm, Schweden

Projekt-Info

Bearbeitung

Martin Graffenberger

Kooperation(en)

Universität Tartu, Estland
OÜ Geomedia, Estland

Laufzeit

09/2014 – 08/2017

Projektförderung

Europäische Union – 7. Forschungsrahmenprogramm, Marie Curie Initial Training Networks (ITN)

Weitere Informationen

Martin Graffenberger
M_Graffenberger(at)ifl-leipzig.de
Tel.: +49 341 600 55-187

Marie Curie Forscher-Erstausbildungsnetz RegPol²

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