Grenzüberschreitende Assemblages medizinischer Praktiken

Teilprojekt im Sonderforschungsbereich "Verräumlichungs­prozesse unter Globalisierungsbedingungen" (SFB 1199)

Globalisierungsprozesse haben auch im Sektor der bislang national organisierten medizinischen Versorgung zu tiefgreifenden Veränderungen geführt. Eine Öffnung bestehender Systeme hat insbesondere in zweierlei Hinsicht stattgefunden. Einerseits unternehmen die europäischen Wohlfahrtsstaaten im Rahmen transregionaler Kooperationsprojekte Anstrengungen, um einen möglichen Mangel an medizinischen Dienstleistungen in gemeinsamen Grenzregionen zu beheben – zum Beispiel im Bereich der Notfallmedizin. Andererseits lassen sich immer mehr Patienten außerhalb nationaler Grenzen medizinisch behandeln, sei es aufgrund besserer oder kostengünstigerer Angebote, oder auch um medizinische Therapien in Anspruch zu nehmen, die im eigenen Land nicht verfügbar oder legal sind. Im Zuge dieser grenzüberschreitenden Mobilität sind zuletzt vermehrt Bemühungen erkennbar, nationale Regulierungen auf internationaler Ebene zu koordinieren.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt „Grenzüberschreitende Assemblages medizinischer Praktiken“ transnationale Regulationsansprüche und -praktiken, welche die bislang nationalstaatliche Verankerung von Gesundheitspolitik und Gesundheitsversorgung infrage stellen bzw. neu verhandeln. Im Fokus stehen zwei Felder: die länderübergreifende Zusammenarbeit bei der Bereitstellung medizinischer Versorgung sowie die transnationale Koordination von Organspende und Organtransplantation, die mit besonderen sozialen, ethischen und rechtlichen Fragen einhergeht.

Ziel ist es, die durch grenzüberschreitende Praktiken, Netzwerke, Projekte und Technologien entstehenden komplexen Verflechtungen (Assemblages) zu rekonstruieren und das Verhältnis der dabei entstehenden Raumformate zu nationalstaatlichen Strukturen zu analysieren. Das Projekt will zudem herausarbeiten, inwieweit diese neuen Assemblages und ihre räumlichen Bezugssysteme die institutionellen Verhältnisse in Europa modifizieren können. Dazu führt das Forschungsteam europaweit Interviews und Gruppendiskussionen mit Akteuren durch, die im Bereich des Gesundheitswesen und der Gesundheitspolitik in transnationale Abkommen und Kooperationen involviert sind. Zusätzlich werden gesundheitspolitisch relevante Vertragstexte, Richtlinien und Verordnungen der EU wie auch diesbezügliche Stellungnahmen und Politikpapiere von NGOs und Interessenverbänden ausgewertet.

Ergebnisse/Publikationen

Meyer, Frank / Miggelbrink, Judith / Schwarzenberg, Tom (2019): Formatting Practices and Ordering Relations: The Role of Multi-Scalar Regulation and Discourses in the Field of International Organ Transplantation. Working Paper 17 of the SFB 1199. Leipzig.

Meyer, Frank (angenommen): Scaled regulatory regimes under the global condition. An example from organ transplantation. In: Rao, Ursula / Marung, Steffi (Hrsg.) (2019): Practises and processes of space-making under the global condition. Berlin.

Meyer, Frank (angenommen): Mapping organ exchange: Transnational cooperation in transplantation and organ donation in Europe. In: Europa Regional, 2019(2), 23–34.

Miggelbrink, Judith (2019): Staatliche Grenzen. Berlin (Dialektik des Globalen. Kernbegriffe; 4).

Miggelbrink, Judith (2019): Mapping the Toolbox: Assemblage Thinking as a Heuristic. In: Marung, Steffi / Middell, Matthias (Hrsg.): Spatial Formats under the Global Condition. Berlin (Dialectics of the Global; 1).

Meyer, Frank; / Miggelbrink, Judith / Beurskens, Kristine (Hrsg.) (2018): Ins Feld und zurück – Praktische Probleme qualitativer Forschung in der Sozialgeographie. Berlin.

Miggelbrink, Judith / Meyer, Frank / Pilz, Madlen (2016): Cross-border assemblages of medical practices. Working Paper 2 of the SFB 1199. Leipzig.

Projekt-Info

Bearbeitung

Judith Miggelbrink (Projektleitung), Frank Meyer, Tom Schwarzenberg

Kooperation(en)

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Laufzeit

01/2016 – 12/2019

Projektförderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Weitere Informationen

TU Dresden:

Prof. Dr. Judith Miggelbrink
Tel. +49 351 463-33011

Leibniz-Institut für Länderkunde:

Frank Meyer
Tel. +49 341 600 55-166
F_Meyer(at)ifl-leipzig.de

Tom Schwarzenberg
Tel. +49 341 600 55-157
T_Schwarzenberg(at)ifl-leipzig.de

Zur Webseite des SFB 1199

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