Theorie und Empirie der transformativen Philanthropie im Anthropozän

Gemeinnützige Stiftungen sind in den letzten Jahrzehnten in vielen Demokratien zahlreicher und wohlhabender geworden. Eine wachsende Zahl von ihnen hat sich zudem transformativen Agenden verschrieben: Sie wollen das Gemeinwohl nicht bloß finanzieren oder Missstände bekämpfen, sondern gesellschaftliche Strukturen dauerhaft verändern. Dabei klinken sich diese Stiftungen regelhaft in globale Problemdiskurse ein und versuchen auf der Grundlage ihrer Weltentwürfe und Problemsichten Lösungen zu entwickeln und einzuführen. Der Philanthrokapitalismus angelsächsischer Provenienz fragt gar, „how the rich can save the world“ (Bishop/Green 2008). Das numerische Wachstum von Stiftungen und die Expansion ihrer Ambitionen gründet nicht allein in der krassen Akkumulation von Reichtum bei einigen wenigen und in veränderten Mentalitäten der Stifterinnen und Stifter, sondern wird auch durch eine zunehmend liberale Stiftungsgesetzgebung und eine allgemein gestiegene Wertschätzung der Zivilgesellschaft gefördert. Dazu gehört die Einsicht, dass speziell die Bearbeitung gesellschaftlicher Großprobleme wie etwa der ökologischen Transformation nicht allein von der formalen Politik gestaltet und bewältigt werden kann.

In diesem Zusammenhang bietet die an Einfluss gewinnende Weltbeobachtungsformel Anthropozän aufgrund ihrer de- und präskriptiven Totalität den Stiftungen nahezu optimale Rechtfertigungsskripte und Handlungsoptionen. Entsprechend greifen Stiftungen diese Beobachtungsformel im- oder explizit auf und gestalten sowohl die angemahnte ökologische Transformation als auch die gesellschaftlichen Raumverhältnisse im Anthropozän machtvoll und einflussreich mit. Dabei stehen sie als ein spezieller Organisationstyp vor der Herausforderung, dass sie keinen direkten Zugriff auf ihre (sozialen) Umwelten haben und als Teil der Zivilgesellschaft auch nicht auf Zwangsmaßnahmen zurückgreifen können. Zur Zielerreichung müssen sie sich stattdessen vorrangig auf das Mittel der Gabe verlassen.

Vor diesem Hintergrund will das Projekt in einer umfassenden Feldstudie empirisch ergründen, was der Fall der transformativen Philanthropie im Anthropozän ist, wie Stiftungen ihre Beiträge zur ökologischen Transformation und zum Anthropozän gestalten und warum sie das so und nicht anders tun. Weil es derzeit keine gesellschaftstheoretisch eingebettete raumsensible Theorie der Stiftung als Organisation gibt, die dies beantworten könnte, soll zudem eine solche Theorie entwickelt werden. Im Ergebnis bietet das Projekt eine Empirie und Theorie der transformativen Philanthropie im Anthropozän und zeigt darüber vermittelt auf, welche Möglichkeiten und Limitationen für die Veränderung von gesellschaftlichen (Raum-)Strukturen mit Stiftungen verbunden sind.

Ergebnisse/Publikationen

Noch nicht verfügbar

Projekt-Info

Bearbeitung

PD Dr. Pascal Goeke

Kooperation(en)

--

Laufzeit

09/2019 – 08/2022

Projektförderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Weitere Informationen

PD Dr. Pascal Goeke
P_Goeke(at)ifl-leipzig.de
+49 341 600 55-170

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