„Unser Feld ist die Welt“: Geographische Gesellschaften 1821–1914 im internationalen Vergleich

Teilprojekt im SFB 1199 "Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen"

Bejubelte Afrikaforscher: John Speke und James Grant berichten vor der Royal Geographical Society in London von ihrer Entdeckungsreise zu den Nilquellen (Aus: Illustrated London News, 4. Juli 1863, S. 1)

Seit ihren Anfängen und besonders im „langen“ 19. Jahrhundert spielten Geographische Gesellschaften eine wichtige Mittlerrolle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit: Sie organisierten und unterstützten Expeditionen, veröffentlichten Forschungsergebnisse in ihren Zeitschriften und erreichten mit ihren Vorträgen und Ausstellungen ein großes Publikum. Die Berichte aus vormals unbekannten Weltgegenden vermittelten indes nicht nur raumbezogenes Faktenwissen. Sie beflügelten auch die Phantasie der Leser und Zuhörer und trugen dazu bei, dass sich neue, „globalere“ Vorstellungen von der Welt und ihren räumlichen Ordnungen entwickeln, verbreiten und an Akzeptanz gewinnen konnten.

Das Projekt untersucht, wie und warum unterschiedliche Typen von Geographischen Gesellschaften zur Konfiguration neuer Raumformate und der Etablierung von Raumordnungen beitrugen. Im Unterschied zu bisherigen Forschungen geht das Vorhaben davon aus, dass die Art und Weise, wie raumbezogenes Wissen gewonnen und vermittelt wurde, spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts maßgeblich von Geographischen Gesellschaften in aller Welt beeinflusst wurde: Sie setzten gewissermaßen internationale Standards, gleichzeitig bildeten sich „individuelle“ Unterschiede je nach thematischer Ausrichtung der Gesellschaften heraus. Das Projekt teilt sich deshalb in zwei Untersuchungsabschnitte.

Im ersten Schritt wird auf der Basis vergleichender Analysen von Aktivitätsprofilen und Sozialstrukturen sowie von Mustern und Modi der Verflechtung eine neue Typisierung entwickelt, die jenseits nationalstaatlicher Entwicklungspfade Gesellschaften mit ähnlichen Aktivitätsprofilen und/oder Spezialisierungen zusammenfasst. Hierauf bauen zwei parallel angelegte Studien für den romanisch-sprachigen Raum sowie den deutsch- und den englischsprachigen Raum auf. Sie sollen mithilfe vergleichender hermeneutischer Analysen zeigen, welche v. a. imaginationsbasierten Strategien und Praktiken unterschiedliche Typen von Gesellschaften entwickelten, um Raumformate zu konstruieren und bestimmten Raumordnungen zu Legitimität und Verbreitung zu verhelfen.

Ergebnisse/Publikationen

Noch nicht verfügbar

Projekt-Info

Bearbeitung

Ute Wardenga, Dirk Hänsgen, Maximilian Georg, Ninja Steinbach-Hüther, Maximilian Stintzing

Kooperation(en)

Universität Leipzig

Laufzeit

01/2016 – 12/2019

Projektförderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (SFB 1199)

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ute Wardenga
Tel. +49 341 600 55-110
U_Wardenga(at)ifl-leipzig.de

SFB 1199