Mit Carl Stangen unterwegs. Fotografien einer Amerikareise 1893

Als ein für viele erschwingliches Konsumgut steht die Pauschalreise heute als Chiffre für standardisierten Massentourismus. In den Anfangstagen der durchorganisierten Gruppenexkursion im 19. Jahrhundert konnte sich eine „Gesellschaftsreise“ nur wenige leisten: 5400 Mark, den mehrfachen Jahreslohn eines Industriearbeiters, zahlten Touristen für den 84-tägigen Pauschaltrip in die USA, den der deutsche Reisepionier Carl Stangen 1893 anbot.

Die Route der 57-köpfigen Gruppe führte von New York bis an die Pazifikküste nach San Francisco. Unter den Teilnehmern befand sich William Davignon, auf der Passagierliste des für die Atlantikquerung gecharterten Schnelldampfers „Saale“ als "Student aus Lüttich" geführt. Der Belgier liebte nicht nur das Reisen, sondern war auch ein leidenschaftlicher Sammler. Aus seinem Besitz stammt das Fotoalbum „Reise in die USA 1893“, das sich heute mit weiteren 18 Prachtalben des späteren Privatiers im Archiv des IfL befindet.

Aus dieser Quelle schöpft die Ausstellung "Mit Carl Stangen unterwegs. Fotografien einer Amerikareise 1893", die von Juni bis September 2018 in der Leipziger Stadtbibliothek zu sehen war. Die größtenteils von amerikanischen Berufsfotografen gemachten Aufnahmen zeigen ein Land im rasanten Aufbruch zur Weltwirtschaftsmacht. Städtebau und Verkehrstechnik der Moderne stehen im Osten im Vordergrund, der Westen der USA wird als Land von überwältigenden Naturschönheiten präsentiert. Nur bei einigen wenigen Bildern scheinen europäische Stereotype vom „Wilden Westen“ durch. Sie stammen von der Reisegruppe selbst.

Kontakt

Heinz Peter Brogiato
H_Brogiato(at)ifl-leipzig.de
Tel.: +49 341 600 55-126

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