Pressemitteilung vom 6. Januar 2020

SFB 1199 geht in zweite Förderphase

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Länderkunde mit geographischen Fragestellungen beim Sonderforschungsbereich "Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen" beteiligt

Nach seiner erfolgreichen Evaluierung ist der Sonderforschungsbereich „Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen“ in die zweite Forschungsphase gestartet. Initiiert wurde der SFB 2016 von der Universität Leipzig gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) und dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO). In ihm erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie politische, wirtschaftliche oder kulturelle Akteursgruppen Raum verhandeln und imaginieren, um Prozessen der Globalisierung einen Rahmen zu geben. Das IfL ist in der zweiten Förderphase von 2020 bis 2023 mit drei Vorhaben an dem SFB beteiligt. Im Vordergrund stehen wirtschaftsgeographische und geographiehistorische Aspekte sowie Fragen der Vermittlung von Raumwissen durch Karten und Atlanten:

Standortentscheidungen innovativer Technologieunternehmen für ungewöhnliche Orte in Zentralasien und Afrika

Das Projekt untersucht raumbezogene Praktiken und Netzwerke internationaler Technologieunternehmen in ökonomisch weniger erfolgreichen Weltregionen. Durch Fallstudien wollen die Wissenschaftler herausfinden, welche Rolle imaginierte Raumordnungen für die Standortentscheidungen und Netzwerkbeziehungen solcher Firmen spielen. In einem auf Deutschland fokussierten Vorläuferprojekt konnten sie zeigen, dass Raumkategorien wie „Zentrum“ oder „Peripherie“ die Standortentscheidungen innovativer Unternehmen weit weniger beeinflussen als bisher angenommen. Projektleiter Dr. Thilo Lang: „Wir sind sehr gespannt, inwieweit sich die Erkenntnisse auf Regionen mit einer geringeren Wirtschaftsleistung und weniger stark vernetzte Orte übertragen lassen.“

Karten und Atlanten als Vermittler und Produzenten von Raum(wissen) unter Globalisierungsbedingungen

Um die Bedeutung von Karten und Atlanten als Medien zur Imagination, Etablierung und Reproduktion von raumbezogenem Wissen unter Globalisierungsbedingungen geht es in einem anderen SFB-Teilprojekt des IfL. Ein Forscherteam um Prof. Dr. Sebastian Lentz und Dr. Jana Moser will durch die Analyse von Karten aus Russland bzw. der Sowjetunion und Deutschland aus der Zeit von 1918 bis heute systemübergreifende Kontinuitäten wie auch Veränderungen über den Wandel von Gesellschaftssystemen hinweg aufdecken. Dazu nehmen sie kartografische Ausdrucksformen unter die Lupe und beschäftigen sich mit den Mechanismen, die bewirken, dass Karten und Kartenwerke wie kaum ein anderes Medium Raumvorstellungen und Raumbilder prägen. In einem Vorgängerprojekt hatten sich die Forscher mit chinesischen sowie franko- und anglophonen Atlanten beschäftigt. Die Ergebnisse werden in den internationalen Vergleich mit einfließen. Weiterhin will die Gruppe verstärkt digitales Material in die Untersuchung einbeziehen.

Raumsemantiken der Geographie im 19. und 20. Jahrhundert

Ein drittes SFB-Teilprojekt des IfL basiert auf einer detaillierten Auswertung von wissenschaftlichen Zeitschriften der internationalen Geographie. Projektleiterin Prof. Dr. Ute Wardenga und ihr Team wollen zeigen, welchen Beitrag die geographischen Raumsemantiken im 19. und 20. Jahrhundert zur Herausformung und Stabilisierung von Raumformaten wie auch zum Wandel von Raumordnungen geleistet haben. Dazu bauen die Forscher auf einem im Projekt entwickelten Kodierverfahren auf, das verschiedene Auswertungsdimensionen miteinander verbindet. Für die Analyse des Datenmaterials wollen sie unter anderem Anwendungen der Digital Humanities nutzen. Prof. Dr. Ute Wardenga: „Unser Ziel ist, den transnational vorherrschenden Arten von Verräumlichungen als auch deren regionsspezifischen Kombinationen und Varianzen im zeitlichen Verlauf auf die Spur zu kommen.“

Weitere Informationen:

zum Projekt "Standortentscheidungen innovativer Technologieunternehmen für ungewöhnliche Orte in Zentralasien und Afrika":
Dr. Thilo Lang
Tel. 0341 600 55-159
T_Lang(at)ifl-leipzig.de

zum Projekt "Karten und Atlanten als Vermittler und Produzenten von Raum(wissen) unter Globalisierungsbedingungen":
Dr. Jana Moser
Tel. 0341 600 55-133
J_Moser(at)ifl-leipzig.de

zum Projekt "Raumsemantiken der Geographie im 19. und 20. Jahrhundert":
Prof. Dr. Ute Wardenga
Tel. 0341 600 55-110
U_Wardenga(at)ifl-leipzig.de

zum SFB 1199: https://research.uni-leipzig.de/~sfb1199/

Pressekontakt

Dr. Peter Wittmann
Öffentlichkeitsarbeit
Presse(at)ifl-leipzig.de
Tel.: +49 341 600 55-174
Fax: +49 341 600 55-198

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