Pressemitteilung vom 3. September 2018

Soziokulturelle Einrichtungen: Zuwächse im ländlichen Raum

Soziokulturelle Zentren und Initiativen sind aus dem kulturellen Leben in Deutschland nicht mehr wegzudenken. In den 1970er-Jahren aus der kulturpolitischen Forderung „Kultur für alle und von allen“ hervorgegangen, hat sich der Schwerpunkt der Neugründungen in den letzten Jahren von den Städten und ihrem Umland in die ländlichen Räume verlagert. Neue Karten des IfL zeigen, wie die Entwicklung seit der Anfangsphase verlaufen ist und wie sich die soziokulturellen Einrichtungen heute im Bundesgebiet verteilen.

Die Zahl der in der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. organisierten Einrichtungen wie Kulturzentren, Bürgerhäuser, Jugendkunstschulen oder Geschichtswerkstätten ist von neun im Jahr 1977 auf knapp 582 im Jahr 2016 gestiegen. Einen zusätzlichen Aufschwung gab es mit der deutschen Wiedervereinigung. Die Autoren des jüngsten Beitrags im Webangebot „Nationalatlas aktuell“ des IfL haben die zeitliche Entwicklung und regionale Verteilung soziokultureller Zentren analysiert; Karten und Grafiken veranschaulichen die Sachverhalte. Danach sind rund 67 Prozent der Einrichtungen im verstädterten Raum beheimatet, in dem rund 68 Prozent der Bevölkerung lebt. Die übrigen Einrichtungen verteilen sich auf „ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen“ (15 Prozent) und „dünn besiedelte ländliche Räume“ (18 Prozent). Sie sind mehrheitlich nach der Jahrtausendwende entstanden.

Die Befunde weisen darauf hin, dass zivilgesellschaftlich organisierte Formen der Kulturarbeit im ländlichen Raum in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben. An der Spitze dieser jüngeren Entwicklung stehen die Flächenländer Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen. In den anderen Bundesländern zeigen sich die Strukturen dieses Kulturbereichs weitgehend stabil.

Insgesamt kommen die Autoren zu der Einschätzung, dass soziokulturelle Zentren und Initiativen zu einem festen Bestandteil der kulturellen Infrastruktur vieler deutscher Städte und Gemeinden geworden sind. Sie erfüllten eine wichtige Funktion „als Orte des niedrigschwelligen Zugangs zu vielfältigen Kulturangeboten“. Dessen ungeachtet sei der frühere Gegensatz zwischen Soziokultur und Hochkultur heute weitgehend überholt. Auch traditionelle Einrichtungen öffneten sich in ihrer Kulturarbeit unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen und Strömungen, so die Autoren. Gleichzeitig würden die soziokulturellen Zentren von Institutionalisierungsprozessen erfasst, die sich an einer Veränderung der Förderstruktur in Bund, Ländern und Kommunen sowie an wachsender Professionalisierung, Akademisierung und Internationalisierung der Kulturarbeit ablesen lassen. Zudem zeige sich seit einigen Jahren ein Bedeutungsgewinn soziokultureller Einrichtungen als Ausbildungs-, Arbeits- und Aufführungsorte der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Weitere Informationen

  • Deutschlandkarten: (1) Soziokulturelle Zentren/Initiativen und Siedlungsstruktur 2016; (2) Alter der soziokulturellen Zentren und Initiativen (vor 1971 bis 2016)
  • Grafiken: (1) Soziokulturellen Zentren/Initiativen nach Ländern; (2) Vergleich soziokultureller Zentren/Initiativen mit anderen Kultureinrichtungen 2016 nach siedlungsstrukturellen Kreistypen
  • http://aktuell.nationalatlas.de

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