Pressemitteilung vom 27. Juli 2017

Städte Eurasiens im Wandel

Neu erschienener Sammelband widmet sich urbanen Veränderungsprozessen in der Region zwischen Europa und Asien

Plattenbau in Usbekistans Hauptstadt Taschkent (Foto: © Philipp Meuser, 2012)

Hierzulande sehen wir die Stadt als einen Organismus, der aus individuellen und gemeinschaftlichen Interessen, wirtschaftlichen Kräften, technischen und kulturellen Innovationen gewachsen ist – basierend auf der Kommunikation der Akteure. Anders war es in der Sowjetunion: Dort wurde der urbane Raum vom Staat oder politischen Eliten entsprechend der politischen Ziele realisiert, und das in einem der schnellsten und gewaltigsten Urbanisierungsprozesse weltweit. Jetzt, mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Sowjetreichs, existieren diese – materiellen ebenso wie immateriellen – Strukturen als gemeinsames Erbe der postsowjetischen Staaten weiterhin. Wie gehen die heutigen Gesellschaften damit um und welche Folgen hat das für sie?

Der Sammelband "Urban Eurasia. Cities in Transformation" ist eine Reise zu urbanen Räumen, Plätzen und Menschen in der extrem dynamischen, aber oft vergessenen Region zwischen Europa und Asien. Die Herausgeberinnen Isolde Brade, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig, und Carola S. Neugebauer, Juniorprofessorin an der RWTH Aachen, haben 18 Fachautoren aus verschiedenen Ländern, darunter zehn aus den Staaten der ehemaligen UdSSR gebeten, ihre Sicht auf die Entwicklung der postsowjetischen Städte zu schildern. Diese Berichte bewegen sich im Spannungsfeld zwischen den noch bestehenden sowjetischen und jungen postsowjetischen Strukturen, die wiederum auf lange gemeinsame, vorrevolutionäre und ethnisch beeinflusste, kollektive Erfahrungen zurückgreifen. Es kristallisiert sich heraus, dass man nicht mehr allein von der postsowjetischen Stadt, sondern immer mehr vom Typus der Eurasischen Stadt sprechen sollte.

Das Buch thematisiert unter anderem den Wohnungsbau in den Zentren und Peripherien, die damit verbundene Gentrifizierung, sowie die wirtschaftliche Entwicklung der Städte. Es handelt auch vom Umgang mit Denkmälern und dem öffentlichen Raum, der von der Propaganda-Bühne bis zu den heutigen Aneignungen durch die Zivilgesellschaft mehrere Umwidmungen durchgemacht hat, sowie von den Diskussionen über den Erhalt der Relikte aus der Vergangenheit. Umfangreiches Fotomaterial macht diese urbanen Veränderungsprozesse sichtbar und belegt eindrucksvoll die Vielschichtigkeit städtischen Wandels im postsowjetischen Raum. Der Band möchte zum Nachdenken und kritischen Diskussionen jenseits der wenigen Medienberichte über die Städte in Eurasien anregen.

Brade, Isolde / Neugebauer, Carola S. (Hrsg.) (2017): Urban Eurasia. Cities in Transformation. 288 S., 300 Abb. DOM publishers, Berlin. ISBN 978-3-86922-506-7 (Englisch), 28 Euro

(Pressemitteilung übernommen von: DOM Publishers / gisela graf communications)

Weitere Informationen

Das Buch "Urban Eurasia. Cities in Transformation" ist aus einem vom IfL koordinierten Forschungsprojekt zur Neukonfiguration des Städtischen im postsowjetischen Raum entstanden. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Städte sich in unterschiedlichen nationalen Kontexten den Herausforderungen der gesellschaftlichen Modernisierung und der Anpassung an neue Wirtschafts- und Lebensformen positionieren.

Pressekontakt

Dr. Peter Wittmann
Öffentlichkeitsarbeit
Presse(at)ifl-leipzig.de
Tel.: +49 341 600 55-174
Fax: +49 341 600 55-198